Ausflug des Chilekreises  mit Padre José-Miguel  aus Chile zur  Jungfrau der Armen nach Banneux


Das Smartphone zeigt heute Morgen, am 20. Juni 2015, in Bezug auf die Wettervorhersage 60 % Regenwahrscheinlichkeit.
15 Freunde und Freundinnen des Chilekreises St. Cäcilia  treffen sich gegen halb neun Uhr morgens vor dem Cäcilienstift. Noch  ist nicht klar, wie und wo die Fahrtroute verlaufen wird,  wer mit wem in welchem Auto mitfährt, und welcher Wagen früher als geplant nach Benrath  zurückfahren wird.  Es herrscht allgemeines Chaos. Nur einer hat die Ruhe weg. Der Padre! Er scheint der einzige zu sein, der sich so richtig auf diesen Tag bei der Muttergottes freut.

 

 Auf der Fahrt zur belgischen Grenze bei Aachen beten wir  im Auto den ersten  Rosenkranz. Eine ruhige Stimmung zieht allmählich in die Herzen ein. Es gibt noch keinen Regen, keinen Stau, und gegen 10.20 Uhr treffen wir in Banneux ein. Die Kreuzkapelle zu finden, fällt uns nicht schwer. Dort beginnen wir den Besuch  mit einer Hl. Messe, die der Padre  zelebrieren wird. Wir stellen fest, dass für den Gottesdienst bisher  nichts vorbereitet wurde. Aber dann kommt ein kleiner  Engel, der hilft , Messkelch und Hostien, Wein und Messbuch zu finden. Die Gewänder hängen leicht zugänglich in der  Sakristei. Wir eröffnen  unsere Hl. Messe mit einem Marienlied.
  Im Evangelium des heutigen Tages heißt es: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt.  Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?   Mt 6,24 

 

In einer langen Homilie geht Padre José-Miguel darauf ein, dass er selbst aus einem Elternhaus kommt, wo zwar gespart wurde, aber wo es in seiner Jugend nie an etwas Wichtigem fehlte.  Als er ins Oratorio Mariano kam, hat er alles was er besaß abgegeben. Aber niemals hat er etwas entbehren müssen, was er zum Leben brauchte.  So  zog er den Schluss, dass nicht derjenige reich ist, der viel besitzt, sondern derjenige, der wenig braucht.

 

Gestärkt durch die Hl. Eucharistie sind wir wie verwandelt.  Weiterhin  kein Regen.
Und dann  finden wir auch noch  eine wunderbare Stelle für unser Picknick,  direkt an der Esplanade.  In einem überdachten Bogengang, dem Hl. Franz von Assisi gewidmet, der die Armut so liebte, ist unser Tisch reichlich gedeckt, so reichlich, dass wir zwei  Spanisch sprechende Studenten zum Essen  einladen.
Wie von selbst ergibt es sich anschließend, dass wir an der Gebetsstunde in der  Botschaftskapelle teilnehmen, zu der sich etwa 100 Pilger eingefunden haben. Wir werden dort aufgefordert, unsere Hände in Wasser zu tauchen, wie es die Muttergottes der kleinen  Mariette 1933 empfohlen hatte.

 

Das Mädchen, die Älteste von  7 Kindern der Familie Beco,  war damals 11 Jahre alt. Familie Beco wohnte in einem bescheidenen Häuschen, welches Vater Beco gebaut hatte, und das heute noch genauso aussieht wie damals.  Es steht außerhalb des kleinen Bauerndorfes Banneux, das damals  325 Einwohner hatte. Am 15. Januar 1933, als sie auf ihren kleinen Bruder wartete, der morgens das Haus verlassen hatte,  sah Mariette in der abendlichen Dunkelheit ein helles Licht, das ihre ganze  Aufmerksamkeit erweckte. Mariette war keine Träumerin, auch nicht besonders fromm, versäumte oft den Religionsunterricht, nicht aus Faulheit, sondern  weil sie ihrer Mutter bei der Arbeit helfen musste. Aber als sie das Licht sah, begann sie zu beten. Sie wollte aus dem Haus  gehen, doch die Mutter, die  das Licht auch sah, hielt sie zurück und verschloss die Tür. Drei Tage darauf nahm Mariette an der Hl. Messe teil und erschien auch wieder  zum Religionsunterricht. Welch eine Verwandlung war mit ihr geschehen!  Die Muttergottes erschien  bis zum 2. März 1933 noch 7-mal. Sie hat nur wenig gesprochen.  Ihre Botschaften  lauteten:

  •  „Stoßt eure Hände in das Wasser“ (2. E.) Im Wallonischen bedeutet dieser Satz. „Tut etwas“. Maria erschien in der Dunkelheit, in einer schwierigen Zeit. Die Finsternis ist ein Symbol des Bösen und des Todes. Es geschah zwischen zwei Kriegen. Diktaturen wurden immer mächtiger.  Maria ist dieselbe, 1933 und heute. In dieser Zeit fordert sie die Menschen auf, etwas zu tun. Das Eintauchen in das Wasser ist eine Geste  des Vertrauens, des Loslassens, der Demut.
  • „ Ich bin die Jungfrau der Armen“ (3. E.) Maria sucht nach ihren leidenden und armen Kindern, um ihnen zu helfen.
  • „ Diese Quelle ist für alle Nationen.“ (3.E.)  
    Die Quelle ist ein Symbol für Christus Die Botschaft von Banneux richtet sich an alle Nationen.  Die Gottesmutter wünscht, dass man aus allen Nationen komme.  Padre José-Miguel , aus der chilenischen Nation,  ist in Chile  besonders für die Armen da.
  • „Ich wünsche eine kleine Kapelle. (4.E.) Sie begegnet dem Kind in seinem gewohnten Umfeld und führt es  zur Quelle Richtung Osten. Dort, wo auch wir den Herrn finden. Christus ist die Quelle. Steht nicht der Tabernakel in unserer Kirche im Osten? Dort finden wir den Herrn.
  • „Ich komme, das Leid zu lindern.“ (5. E.) Die Welt ist voller Leiden. Im Chilekreis gibt es einige, die von Krankheiten gezeichnet sind. Gerade für sie ist die Muttergottes da.
  • „  Ich bin die Mutter des Erlösers. Betet viel“. „  Betet viel!“ ( 6., 7., 8. E.). Dreimal wiederholte  Maria die Bitte um Gebet.  Sie bittet uns, ohne Unterlass zu beten. Folgen wir ihrem dringenden Rat?

1949 erkannte die Kirche die Erscheinungen in Banneux ohne Vorbehalte an. Viele Bischöfe aus dem In- und Ausland kamen mit Pilgern nach Banneux. So auch 1985 Johannes Pauls II.. Er betete in der Erscheinungskapelle vor dem Triptychon, dass die Muttergottes mit der kleinen Mariette zeigt, und gleich neben ihrem Elternhaus gebaut wurde. Mariette Beco ist  2011  im Alter von 90 Jahren in einem Seniorenheim in Banneux verstorben.

Noch immer kein Regen, als wir aus der Botschaftskapelle treten. Wir beschließen, unsere Hände in die richtige Quelle „zu stoßen“,  damit durch uns alle ein Ruck gehen kann. Das Becken, 1958 errichtet, ist mit vielen frischen Blumen geschmückt. Wasserhähne ermöglichen es,  Wasser abzufüllen.
Marianne führt uns anschließend auf den kleinen Pilgerweg der Nationen von Banneux.
Wir schauen zuerst in die Erscheinungskapelle, die 1933 im Garten der Familie Beco gebaut wurde. Es ist der Ort, wo das Kind Maria gesehen hat. In dem Jahr, als Hitler in Deutschland an die Macht kam, wollte Maria  den Menschen nahe sein.
Dann gehen wir über die  Allee St. Gabriel  an einigen wichtigen Gedenksteinen vorbei. Sie wurden von verschiedenen Nationen aus der ganzen Welt errichtet. Sie zeigen uns Heilige, die durch ihre Marienverehrung oder ihren Dienst an den Armen bekannt geworden sind.

Rechte Seite:

  •    Bildstock unserer lieben Frau von La Vang , Vietnam, wo 1798 die Muttergottes erschien
  •    Bildstock unserer Lieben Frau von Walsingham, England, 1061 gegründet.
  •    Gedenkstein von China

Linke Seite:

  •   Hl. Padre Pio, Italien 1887-1968 stigmatisiert, gründete Krankenhaus zur Linderung der Schmerzen in  San Giovanni Rotondo, Italien
  •    Hl. Damian de Veuster, Belgien, Priester der Kongregation des Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes . Seit 1973 auf der Insel Moloka  wo er etwa  600 Leprakranke betreute
  •   Statue des Hl. Pierre Julian Eymard, Frankreich, widmete sich der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten.
  •   Das Armenische Kreuz, Armenien Völkermord an den Armeniern 1915
  •   Kapelle des Hl. Erzengels Michael, des Patron Deutschlands,  Nachbildung der Muttergotteskapelle in Rhöndorf, dem Heimatdorf  Adenauers. Dort wurde während des Krieges für die Kriegsgefangenen aller Nationen gebetet.  Der Seelsorger für die deutschen Pilger in Banneux besuchte in den 50er Jahren den deutschen Bundeskanzler  Konrad Adenauer und überbrachte ihm eine Staute der Muttergottes  der Armen.  1960 wurde diese Kapelle gebaut, gestiftet als Versöhnungskapelle von deutschen Pilgern. Heute ist darin täglich Aussetzung des Allerheiligsten. Es wird für den Frieden unter allen Nationen gebetet.

Nach dem Besuch beim Hl. Michael fahren einige von uns  wieder heim nach Benrath. Drei übrige Autos begeben sich im Konvoi auf eine abenteuerliche Landpartie durch Südost –Belgien.
Straßen ohne Mittelstreifen führen bergauf und bergab, so  wie die Straßen des Lebens,  dann wieder Autobahnen und Serpentinen, bis wir schließlich am Drielandenpunt  in Vaals, Holland  ankommen. Dort treffen sich an einer bestimmten Stelle die Grenzen von Deutschland, Belgien und der Niederlande. Wir lassen den schönen Tag ausklingen bei Reistorte, Kaffee  und Eis. Die Sonne kommt nun sehr  kräftig von oben und wärmt  unsere Glieder. Ein Tag ohne Regen.
Auf der Autobahn Richtung Düsseldorf beten wir  den letzten Rosenkranz.

Uns  kommt es so vor, als hätte ein unsichtbarer  Regisseur zu unserer Freude die Zutaten dieses Tages durch drei europäische Länder und Nationen  zusammengefügt. Zurück bleibt nur das dankbare  Gefühl, unendlich beschenkt worden zu sein. Der Padre hatte Recht.  Er wurde gestärkt von der Muttergottes der Armen, die auch die Muttergottes der Nationen ist. Diese Erinnerung kann  er froh  getrost mit nach Chile nehmen.

Das Smartphone hat heute Abend  in Bezug auf die Wettervorhersage am 20. Juni 2015  100% versagt.