Wie soll es weiter gehen?

Betr. Fischerbrief zu Ostern.

 

Flüchtlingsgäste

 

Flüchtlinge, sind für unsere Gesellschaft – durch die Medien - ein tägliches Thema geworden.

Schicksale der Fliehenden werden uns mit Ihren Ereignissen präsent gemacht.

Die Flucht über das Meer mit seinen tödlichen Gefahren, Mütter die ihre Familie/Kinder verloren haben, tagelanger Hunger verbunden mit Frosttemperaturen.

Dazu die Ungewissheit, wo werden wir vorübergehend ein erträgliches zu Hause finden ?

Es wird Zeit, dass wir alle unser Herz öffnen !

Mit Kleiderspenden und diversen Haushaltartikeln ist es nicht getan.

Oftmals ist es ja auch so, dass die Sachen abgegeben werden,weil sie den Kleiderschrank oder die Kellerregale blockieren.

Alles ist zwar eine wertvolle Hilfe, aber reicht dieses Engagement ?

Ich glaube nein !

Die tatsächliche, menschliche Begegnung ist der zweite wichtige Schritt, mit unseren Gästen.

Das Ghettoleben mit Herumlungern, Nichtstun und immer nach deutschen Rechtsvorschriften präsent zu sein, zermürbt ihr Gehirn und macht die Flüchtlinge psychisch krank.

Gerade unsere ältere Generation - die aus dem Osten fliehen mußte - wird das „ Trauma Flucht“ noch sehr gut in Erinnerung sein und bleiben, als man auf Grund der Kriegswirren Hab und Gut verloren hatte und Familien getrennt wurden.

Gewiss ist es heute ähnlich so, aber wir haben es mit anderen Kulturen zu tun.

Wir müssen uns nun mal darauf einstellen.

Bischof Marx sagte vor einigen Tagen dazu :

Barmherzigkeit kennt keine Grenzen.

Was kann der Einzelne bzw. eine Gruppe / Verein tun ?

Wenden Sie sich an ihre Pfarre die Ihnen Ansprechpartner nennen kann.

Oder haben Sie den Mut und sprechen mit der Leitung der Füchtlingsunterkunft und bieten Sie Ihr praktische Hilfe an.

Sie könnten z.B.folgendens unternehmen :

Geburtstagfeier von Ihrem Kind im Zelt / Container.

Spielenachmittag mit Ihren Kindern im Zelt / Container

         Einladung zum Schwimmen, Fußball, Töpfern, Strick-Malkurse usw.

         Behördengänge

 

Verfasser

Theo Schmeetz

Flüchtlinge kommen in den Düsseldorfer Süden.

Düsseldorf, 18. Juni 2015

 

Der katholische Kirchengemeindeverband Benrath-Urdenbach möchte helfen.

So haben Vertreter des Pfarrgemeinderats des kath. Kirchengemeindeverbands Benrath-Urdenbach sich mit der Stadt abgesprochen: Sachspenden werden organisiert. Zwei Garagen voll wurden von ehrenamtlichen Helfern der Gemeinde gesammelt, gesichtet und sortiert in wochenlanger Arbeit. Geschirr, Kleidung, Spielzeug und vieles mehr, was Flüchtlingsfamilien brauchen. Sie sollen es unkompliziert und kostenlos erhalten - das ist wichtig, denn sie haben viel hinter sich, doch sie besitzen nichts. Und sie sollen es sofort erhalten, denn man kann sich nicht erst ein paar Wochen eingewöhnen und in der Umgebung orientieren, bevor man einen Teller benutzt. Doch da beginnt das Problem, denn das Verteilen wird schwer.

Geplant und mit der Stadt besprochen war, einen großen Container aufzustellen, in dem die Flüchtlinge aus Regalen sich das heraus suchen können, was sie brauchen. Die Regale sollten dann nachgefüllt werden, denn es kommen immer wieder neue Menschen an, die Hilfe brauchen. Dann hörte man monatelang nichts von der Stadt. Schließlich wurde mitgeteilt, die Stadt könne keinen Container finanzieren. Von dem Kirchengemeindeverband Benrath-Urdenbach selbst kam das Angebot, die Finanzierung zu übernehmen: Kardinal Woelki hat 1.000.000,00 € für die Flüchtlinge bereit gestellt. Da könnte man einen Antrag stellen und so den Container bezahlen. Der Gesprächspartner der Stadt war erfreut. Und wieder hörte man nichts Neues.

Doch nun erging ein Beschluss der Stadtverwaltung :

„Seitens der Stadtverwaltung ist die Entscheidung gefallen, dass eine Lagerung von Sachspenden für Flüchtlinge ausschließlich außerhalb der Unterkünfte erfolgen soll und somit nur privat/ehrenamtlich/kirchlich oder über die Sozialkaufhäuser der Wohlfahrtsverbände organisiert werden kann. Das bedeutet z. B. für den Standort Benrodestraße, dass es dort keine durch die Stadt finanzierte Lagercontainer auf dem Grundstück geben wird. Auch für anderweitig finanzierte Container müsste eine Aufstellmöglichkeit außerhalb des Standortes gefunden werden."

 

Zudem sind die Zeiten, in denen man die Unterkunft als Außenstehender betreten darf, sehr begrenzt: 2x pro Woche zu festen Zeiten für je drei Stunden. In dieser Zeit müsste man alles herbeischaffen, aufbauen, verteilen, wegräumen und wieder abtransportieren: das ist unmöglich. Die vorgeschlagene Alternative, die Dinge anderswo zu lagern, bedeutet, dass die Flüchtlinge abgeholt und zum Lagerplatz der Hilfsgüter gebracht werden müssen (wie verabredet man sich mit einem Menschen, mit dem man kein Wort sprechen kann?), dort ihre Sachen aussuchen und nachhause transportieren. Ganz abgesehen davon, dass etwas, was einfach und spontan passieren sollte, plötzlich organisiert werden muss, wäre dies ein unsinniges Vorgehen. Die Hilfe kann so nicht zur Verfügung gestellt werden, wenn die Sachen gebraucht werden, nämlich sofort nach der Ankunft der Flüchtlinge. Diesen Nachteil erkauft man sich mit einem erheblichen Mehraufwand: plötzlich brauchen wir zusätzlich einen Fahrdienst. Zudem ist es eine Frage der Menschlichkeit und damit der beginnenden Integration, ob man mit Hilfe empfangen wird oder eine Adresse bekommt, bei der man sich gegen Vorlage eines Dokuments selbst etwas abholen kann.

Dieser jetzt nötige Mehraufwand ist für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unseres Kirchengemeindeverbands Benrath-Urdenbach nicht mehr zu bewältigen. Der derzeitige Beschluss bedeutet daher faktisch, dass wir den Flüchtlingen vor Ort keine Hilfe zukommen lassen können. Auch haben so die Flüchtlinge keine spontanen und freundlichen Begegnungen am Anfang ihrer Zeit bei uns, sondern haben nur zu organisierten Terminen Kontakt. Dieser geplante Ablauf ist mehr, als wir schaffen können und nicht das, wofür die ganzen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gearbeitet haben.

Wie soll es weiter gehen? Wir hoffen auf eine Lösung seitens der Stadt, die uns unterstützt und nicht torpediert. Müssten wir die Hilfsaktion einstellen – so wäre es ein großer Verlust sowohl für die Flüchtlinge und die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unseres Kirchengemeindeverbands Benrath-Urdenbach als auch für die Stadt.

 

Den Artikel aus der Rheinischen Post
Ausgabe Donnerstag 18.06.2015

zum Lesen oder Download im PDF-Format gibt es hier.

 

Ausgabe Rheinische Post 18.06.2015