Aus der Chronik unserer Gemeinde

Die nachfolgend aufgeführten Chroniken sind unserem Hahnenschrei entnommen.

 

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Nr. Ausgabe Jahr
56 Weihnachten 1994
57 Ostern 1995
58 Sommer 1995
59 Weihnachten 1995
60 Ostern 1996
61 Weihnachten 1996
62 Ostern 1997
63 Erntedank 1997
64 Weihnachten 1997
65 Ostern 1998
66 Weihnachten 1998
67 Ostern 1999

Aus dem Hahnenschrei Nr.56 Weihnachten 1994 :

100 Jahre Herz-Jesu Urdenbach ?

Während die evangelischen Christen von Urdenbach bereits seit über 300 Jahren eine eigenständige Gemeinde sind,
gehörten die katholischen Einwohner Urdenbachs lange Zeit zur Kirchengemeinde Benrath.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte sich bei den Urdenbacher Katholiken der Wunsch nach Selbständigkeit.
Sie bauten im Jahre 1874 an der Hochstraße das Hochkreuz als äußeres Zeichen für diese Bestrebungen.
Das erklärte Ziel war, eine eigene Kirche zu haben.
Deshalb gründete der Lehrer Karl Weber im Jahr 1885 einen Kirchenbauverein.
Am 8.10.1893 nach 8 Jahren mühsamen Geldsammelns, konnte der Grundstein für eine Teilkirche gelegt werden.
Sie bestand aus der Apsis und den ersten beiden Jochen.
Ungefähr 1 Jahr später, am 23. September 1894, fand die Benediktion (Segnung) dieser Teilkirche statt.
Ein wichtiges Teilziel war erreicht : das katholische Urdenbach hatte seine eigene Kirche.

Doch damit war Urdenbach noch lange keine selbständige Gemeinde.
Der nächste wichtige Schritt auf dieses Ziel zu war die Ernennung von Rektor Peter Jäger zum ersten Pfarrer der Kirche.
Pastor Jäger war allerdings immer noch Geistlicher der Gemeinde St. Cäcilia Benrath.
Im Jahre 1902 wurde Urdenbach dann das Recht verliehen, einen eigenen Kirchenvorstand zu wählen.

Am 1. Oktober 1906 war Urdenbach endlich eigenständige Pfarrei.

Das 100 jährige Bestehen unserer Gemeinde können wir also erst im Jahr 2006 feiern.
Ob das noch sein wird ?

Übrigens:
Vollendet wurde der Kirchenbau in seiner heutigen Gestalt erst 1912.
Die Konsekration (Weihe) der Kirche fand im Jahr 1914 statt.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.57 Ostern 1995 :

Dies ist der älteste vorliegende Entwurf für den Bau einer Kapelle oder eines Bethauses in der Gemeinde Urdenbach.
Er stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1839.
Als Begründung für dieses Projekt führt der Text an : „... damit wenigstens an Werktagen den womöglich ganz alten kränklichen und schwächlichen Leuten, die so gerne vereinigt ihre Andacht verrichten möchten bei schlechter Witterung und in der Winterzeit und die zur Pfarrkirche nach Benrath nicht kommen können, zu jenem Zweck an einem solchen Orte in der Nähe zu einer nach mittäglichen oder Abendandacht Gelegenheit verschafft werden möge..."

390 Goldtaler sollte der Bau kosten.
Urdenbach hatte damals zwar schon 650 Katholiken, doch waren es vor allem Hausweber, die meisten wenig zahlungsfähig.
Die Baukosten wollte man folgendermaßen zusammenbringen :
Zuerst sollten die wohlhabenderen Familien angesprochen werden.
Die verbleibende Summe wollte man auf die restlichen Mitglieder der Gemeinde aufteilen, zu zahlen in zwei Raten: die erste am 1. November, die zweite am 1. Januar des folgenden Jahres.
Gemeindemitglieder, die nicht in der Lage waren, Geld zu spenden, sollten zur Arbeit herangezogen werden. Doch hoffte man auch darauf, daß die Nachbargemeinden zum Bau „ein Schärflein beitragen" würden.

Dem Bauplan liegt eine Liste von 142 Namen bei, in die Spendenbeträge eingetragen werden sollten. Aber nur wenige Eintragungen sind enthalten, insgesamt eine Summe von 21 Goldtalern.
War die geringe Spendenbereitschaft vielleicht der Grund dafür, daß dieses Projekt aufgegeben wurde ?
Eine Begründung liegt uns nicht vor.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.58 Sommer 1995 :

Wir haben nur wenige Unterlagen über das Werden unserer Pfarrgemeinde.
Das früheste vorliegende Dokument ist das Protokoll der Kirchenvorstandssitzung der Gemeinde Benrath vom 8. Januar 1882, auf der die Loslösung der Gemeinde Urdenbach und die Finanzierung eines Pfarrers diskutiert und beschlossen wurden. Man hielt den Zeitpunkt für günstig, da der Pfarrer in Benrath verstorben war. Doch liegt ein Zusatzschreiben bei, in dem der Vorsitzende des Kirchenvorstandes die Frage aufwirft, ob es zu diesem Zeitpunkt geraten sei, in Köln um Schaffung einer Pfarrstelle vorstellig zu werden, da der Erzbischof nicht in Köln weile.
Die katholische Kirche der preußischen Rheinprovinz übte damals den passiven Widerstand. Was war geschehen ?
Es war die Zeit des Kulturkampfes", den der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Otto von Bismarck seit 1870 gegen die katholische Kirche führte. Durch zahlreiche Eingriffe in den innerkirchlichen Bereich versuchte er, den staatlichen Einfluß auf die katholische Kirche zu stärken. Zwei Ziele standen vor allem im Vordergrund: das Verbot der Orden und die Kontrolle der Pfarrgeistlichen.
Diese Kontrolle wurde einerseits durch den sogenannten Kanzlerparagraphen festgeschrieben (Strafverfolgung, wenn die Pfarrer in der Ausübung ihres Berufes „Angelegenheiten des Staates in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise" zum Gegenstand einer Verkündigung machten) und durch Gesetze zur Vorbildung und Anstellung eines Geistlichen. Diese Gesetze schrieben dem Oberpräsidenten der preußischen Provinz ein Einspruchsrecht bei Übertragung eines kirchlichen Amtes durch den Bischof zu und verpflichtete diesen, sein Vorhaben und den Namen des Auserwählten dem Oberpräsidenten anzuzeigen.
Der preußische Episkopat antwortete auf diese Beeinträchtigung seiner Freiheit mit passivem Widerstand: es wurden keine Pfarrer ernannt oder versetzt, um so die geforderte Mitwirkung des Oberpräsidenten zu verhindern.
Folge: 1885 waren z.B. im Bistum Aachen die Hälfte aller Pfarreien ohne Pfarrer.
Die Lage eskalierte. Der Staat antwortete mit Gerichtsurteilen in Form von Geld- und Haftstrafen.
So saß der Kölner Erzbischof Paulus Melchers vom 31. März bis zum 9. Oktober 1874 im Kölner Klingelpütz.
Darauf entzogen sich die Bischöfe dem preußischen Einfluß. Ende 1875 floh der Kölner Erzbischof ins Franziskanerkloster zu Maastricht. Nun sprach ein neugeschaffener Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten" in Preußen über die Bischöfe die Amtsenthebung aus. Doch da nach kanonischem Recht keine Vakanz der Bistümer bestand, wurde auch keine Wahl neuer Bischöfe in Angriff genommen. So gab es keine Gesprächspartner für den Staat. Der Staat reagierte mit der Sperrung der Gelder an die Pfarrer (dem sog. Brotkorbgesetz). Der Widerstand von mehr als zehn Jahren forderte Opfer des Klerus und in den Gemeinden. Aber katholische Vereine und Kirchentage stärkten den Zusammenhalt der Katholiken, die katholische Presse war ein starker Verteidiger der Bischöfe.
Bismarck mußte in den Jahren 1880 bis 1887 viele der Gesetze zurücknehmen.
Die Bischöfe kehrten nach und nach in ihre Diözesen zurück, nicht aber der Kölner Erzbischof.
Er resignierte 1885. Nachfolger wurde Erzbischof Krementz aus dem Ermland.
Das heißt also: Im Jahre 1882, in dem der Antrag auf Errichtung einer Pfarrei in Urdenbach gestellt werden sollte,
lebte die Erzdiözese Köln im Widerstand. Es wurden keine Pfarrer ernannt, erst recht keine neue Pfarrei erstellt.
Eine Bitte um die Gründung der Gemeinde Urdenbach hätte als Forderung verstanden werden können, den Widerstand zu beenden. So mußte die Angelegenheit ruhen.
Erst 1885 konnte man mit Hoffnung auf Erfolg die Gründung einer Pfarrgemeinde in Angriff nehmen.
Es wurde der notwendige Kirchenbauverein ins Leben gerufen.

Aus dem Zusatzschreiben (19.1.1882) zum Protokoll der Kirchenvorstandssitzung vom 8. 1. 1882
Eine Abstimmung kam auch nicht zustande, weil einige der entgegengesetzten Partei schon früher aufgebrochen waren, und man nicht den Muth hatte, abstimmen zu laßen, indem doch alle Urdenbacher da waren.
Endlich erklärte man sich bereit dazu, sobald ein neuer Erzbischof ernannt oder der alte wieder in Amt und Würden eingesetzt sei, wollten sie ihre Stimme abgeben.
Sie wollen demnach das Weitere veranlaßen
Dr. Wachendorf

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.59 Weihnachten 1995 :

1885 konnte es also losgehen. Der Kulturkampf ging zu Ende, der Antrag auf Errichtung einer katholischen Gemeinde in Urdenbach wurde in Köln gestellt. Jetzt galt es, Gelder für den Bau der Kirche zu sammeln. C. Weber, Hauptlehrer an der Urdenbacher Schule, rief einen Kirchenbauverein ins Leben.
Weder Datum noch Protokoll der Gründungssitzung liegen vor. Wir besitzen nur Erinnerungen", niedergeschrieben im September 1944 durch Josef Eisen, langjähriges Mitglied des Kirchenvorstandes, auf Bitten von Pastor Josef Robach, zweiter Pfarrer in Urdenbach.
Hier heißt es: „...Darauf lud Herr Weber alsbald die katholischen Männer Urdenbachs zu einer Versammlung in den oberen Saal Mevissen ein, die sehr zahlreich besucht war... ‚schlug die Gründung eines Kirchenbauvereins Urdenbach vor....Dem Vorschlag wurde zugestimmt und gleichzeitig bereitwillig erklärt, ständig Sammlungen unter den Mitgliedern für einen Kirchenbau vorzunehmen. Dieser Versammlung habe ich als 13jähriger Lausbub hinter des Hauptlehrers Rükken und ohne Stimmrecht beigewohnt
und weiß mich der Freude und Begeisterung von damals noch recht gut zu erinnern. Die Begeisterung ist auch heute nach 59 Jahren bei den Pfarrkindem vorhanden, wenn es um Opfer für
die Kirche geht".

Was uns vorliegt, sind Spendenzusagen aus den Jahren 1887 bis 1889.

Das Erzbistum stiftete 1.000,- Mark,

Die Fürstin von Hohenzollern stiftete 200,- Mark,

Freiherr Johannes von Diergardt stiftete 300,- Mark,

Graf u. Gräfin von Merode Westerloo stifteten 1.000,- Mark.

Über die Herkunft weiterer Mittel schreibt Josef Eisen:
„Der Kirchenbauverein wandte sich auch an den Bonifatius-Verein um Unterstützung mit dem Ergebnis, daß 9.500,- Mark überwiesen wurden. Wegen der vielen religiösen Bekenntnisse in unserem Ort betrachtete der Bonifatiusverein unseren Ort als Diaspora und war uns sehr gewogen, besonders auch wegen der Mischehengefahr".
Weiter erhielt der Verein, so berichtet Josef Eisen, die Erlaubnis, alte, mächtige Eichen, die zwischen Haus-Endt und Park standen und Eigentum der Schloßverwaltung waren, zu fällen und sie zu verkaufen. Der Erlös floß in die Kirchenbaukasse. Es gab einen weiteren Grund zur Gründung eines Kirchenbauvereins:
Jemand mußte sich um die Zuteilung der Gelder aus der Stiftung Haus Bürger" bemühen, die der Finanzierung der Pfarrstelle in Urdenbach dienen sollte.
Unterlagen darüber, wieviel Geld die Gemeinde Urdenbach aufgebracht hat und wie teuer der Kirchenbau war, gibt es leider nicht mehr.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.60 Ostern 1996 :

Nach Gründung des Kirchenbauvereins (1891) und einem zufriedenstellenden Spendenaufkommen konnte die Planung des Kirchenbaus beginnen.
Josef Eisen berichtet in seinen Erinnerungen", daß der Kirchenbauverein sich um den Ankauf des Grundstückes Dorfstr. 1 bemühte. Doch da trotz zweijähriger Verhandlungen mit der Eigentümerin, Fräulein Eigen, kein Einvernehmen erzielt werden konnte, erwarb die Gemeinde das daneben liegende Grundstück. Ein Kirchenbau-Ausschuß wurde gebildet, der nun die Leitung des Kirchenbaus übernahm. In Köln vorstellig geworden, erhielt er die Erlaubnis zum Bau einer Kirche, doch mit der Auflage, zuerst eine Rektoratswohnung (Pastorat) zu bauen.
Den Gemeindeunterlagen liegen die beiden ersten Entwürfe für ein Pastorat bei, die, wie man unschwer erkennen kann, verworfen wurden. Mit dem Bau des Pastorats begann man im Sommer 1893, mit dem der Kirche im Herbst 1893. Das Pastorat war fertig im Sommer 1894. Von der Kirche wurde erst einmal Chor, Sakristei und von Haupt- und Seitenschiffen nur die ersten beiden Joche gebaut. Abschluß der Kirche bildete im Westen eine Fachwerkwand. Am B. Oktober 1893 waren die Kirchenfundamente gelegt und die Wände mannshoch errichtet, so daß in die Chormauer eine Urkunde eingemauert werden konnte. Die Stelle ist heute noch sichtbar durch den hervorgehobenen Stein, der sie verdeckt. Dieser Stein ist ein Geschenk des ehemaligen Erzbischofs von Köln, Kardinal Paul Melchers, der in dieser Zeit in Rom residierte. Die Urkunde ist uns in Abschrift erhalten.
Weitere Daten liegen vor:
23. Juni 1894: Aufstellung des Hauptaltars aus weißem belgischem Sandstein mit Herz-Jesu Relief, ein Geschenk der Gräfin Menrode-Westerloo;
14. Juli 1894: Aufstellung der Kommunionbank aus Marmorsäulen, ein Geschenk des Domherrn Dr. Berlage in Köln;
23. Sptember 1894: Benediktion (Einsegnung) der Teilkirche durch den Benrather Pfarrer Pauli.
Diese Datenfolge klingt so problemlos. Doch so verlief der Bau keineswegs. Der Rohbau stand eine längere
Zeit, ohne daß die Arbeit weiterging. Das Geld war ausgegangen.

 

Josef Eisen berichtet dazu eine heitere Episode:
«Der Kirchenbauunternehmer Schlüter richtete ein Schreiben an jedes Mitglied des Bauausschusses des Inhalts, daß jedes Mitglied für die Kirchenbaukosten solidarisch hafte und er dementsprechend gegen jedes der Mitglieder vorgehen würde, wenn er nicht in kürzester Zeit Geld bekomme. Ungeladen sammelten sich die solidarischen Schuldner sofort beim Vorsitzenden Gierlich und den Notschweiß auf der Stirne, wollten sie wissen, was da zu machen wäre und was das Wort solidarisch zu bedeuten hätte. Vorsitzender und Schriftführer bewahrten die Ruhe, schwitzten auch nicht.
Der Vorsitzende steckte sich das Mützchen (Tonpfeife) an, lächelte etwas und meinte: Na bei mir könne se blos min Schmiedfeuerche kriege, mie han ech nit und dat es nit der Mühe weet." Der Anton sagt: Ewwer mine Hans (Arbeitsochse) könne se merhole", die Weber meinten: Masching, Harnisch, Kett, Enschlag an de fedige Waar höt dem Koofmann, ech han blos de 4 Pöß, 3 Kettebööm an et Spolrad, alles nur
Brennholz für ne Käufer an für mech muß dat halde, dat min Frau an Kenger am Käue bliewe." Der Schriftführer meinte lächelnd: „Solidarisch heißt: Alle für Einen und Einer für Alle". „Ech han 1.050 Mark Jahreseinkommen, an die han ech drengend nüdig für zu lewe, an wahrhaftig nit zu fett". Die anderen Kleinhausbesitzer bangten um ihr sauer erworbenes Eigentum und wollten gleich verkaufen. Vorsitzender und Schriftführer klärten nun auf, daß der Schreckschuß des Unternehmers nichts zu bedeuten habe, die Fragen müßten im Benehmen mit der Landesbank wegen Hypothek und mit dem Benrather Kirchenvorstand geregelt werden. Die Mitglieder möchten in Ruhe wieder nach Hause gehen, es
würde ihnen kein Haar gekrümmt, auch kein Schmiedfeuerche, kein Hans und kein Webstuhl gepfändet bzw. verkauft.»


Urdenbach, den 8 Oktober 1893
Pauli, Pfr u. Definitor

Jeden Montag hielt der Benrather Pfarrer Pauli eine Hl. Messe in der Urdenbacher Kirche, doch sonntags mußten die Katholiken weiter nach Benrath. So berichtet Josef Elsen von manchem Knurren: „Jetzt ham mer es Kerch un mösse doch noch no Benroth jonn." Doch dieser Zustand sollte 6 Monate später schon vorbei sein, denn am 25. März 1895 fand die feierliche Einführung des ersten Urdenbacher Geistlichen, Peter Jäger, als Rektor von Urdenbach statt.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.61 Weihnachten 1996 :

Im Jahr 1885 war es soweit.
Urdenbach bekam seinen ersten eigenen Priester.
Der Erzbischof berief am 2. Januar 1895 den Priester Peter Jäger zum Rektor nach Urdenbach.
Am 11. Februar 1895 begann der neue Rektor mit 20 Kindern den Kommunionunterricht.
Die feierliche Einführung fand am Sonntag, dem 24. März 1885 statt.
Am Morgen um 7.45 Uhr las er in der ein halbes Jahr zuvor fertiggestellten Teilkirche eine erste „stille Messe"
Am Abend folgte um 20.oo Uhr im Haus Mewissen eine Festversammlung.
Ein Fackelzug bewegte sich um 19.30 Uhr vom Haus Mewissen zum Pastorat, um den „hochwürdigen Herrn Rektor Jäger" feierlich abzuholen.
Acht Vereine nahmen daran teil, vier aus Urdenbach, vier aus Benrath.
Die Begrüßungsansprache hielt Pfarrer Pauli aus Benrath.
Zu dieser Feier war ein Festliederzettel gedruckt worden, von dem uns ein Exemplar vorliegt.
Es enthält zum Anlaß passende Texte, die auf bekannte Melodien erstellt wurden,
z B auf die Melodie „Heil Dir im Siegerkranz" ein Lied „dem Papste und dem Kaiser";
auf die Melodie „Strömt herbei" ein Willkommensgruß
und als Schlußlied war auf die Melodie des Deutschlandliedes folgender Text entworfen worden.

Melodie : Deutschland, Deutschland, über alles.

1).
Eh wir voneinander scheiden
Laßt uns danken für die Gnad',
Die der Herr in seiner Güte
Unserm Ort erwiesen hat.
Urdenbach hat eine Stätte
Wo der liebe Gott jetzt thront,
Und die Kirch, sandt einen Priester
Der in unsrer Mitte wohnt.

2).
Lange Jahre sind verflossen
Seit der Kirchenbau begann,
Jeder zahlte unverdrossen
Bis mit Gott das Werk gelang.
Thurmlos zwar, doch hocherhaben
Die Herz Jesukirch sich zeigt,
Durch die vielen reichen Gaben
Ist nun unser Ziel erreicht.

3).
Freut euch drum ihr guten Schenker,
Ob die Gaben groß, ob klein,
Gott der Herr, der unser Lenker,
Trug's in's Buch des Lebens ein.
Steht es aber dort geschrieben,
Magst Du fest auf ihn vertrau'n:
Vätertlich wird er Dich lieben
halfst Du ihm die Wohnung bau'n.

 

„Das war ein Jubelfest für Engel und Menschen", berichtet J Eisen in seinen Erinnerungen. Zwei Tage wurde gefeiert.
Peter Jager, erster Pastor von Urdenbach, wurde am 24. Januar 1869 in Mönchen-Gladbach geboren und empfing am 15. August 1893 die Priesterweihe. Zunächst wurde er als Pfarrverwalter einem alten und kranken Priester in Bürrig bei Kupfersteg zur Seite gestellt. Nach dessen Tod kam Peter Jäger als Rektor nach Urdenbach.
Als 1906 das Rektorat Urdenbach zur Pfarre erhoben wurde, wurde Peter Jäger der erste Pfarrer an der „Herz-Jesu-Kirche" Im Mai 1918 ernannte ihn sein Bischof zum Dechanten des Dekanates Benrath Er blieb bis zu seinem Tode im Jahre 1931 Pfarrer in Urdenbach.

Liebe Leser,
viele von Ihnen haben Herrn Rektor Jäger noch erlebt.
Vielleicht weiß der eine oder andere Anekdoten aus dieser Zeit zu erzählen Bitte schreiben
Sie uns, bitte erzählen Sie uns!

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.62 Ostern 1997 :

Am 24. März 1895 fand, wie berichtet, die feierliche Einführung von Rektor Peter Jäger statt. Daß es so schnell nach Fertigstellung der Kirche zur Ernennung eines Priesters für Urdenbach kam, war überraschend Noch im Januar 1895, so erzählt Josef Elsen in seinen Erinnerungen hatte Pfarrer Pauli aus Benrath zu Peter Gierlich, Küster in Urdenbach, gesagt „Ihr könnt das Pastorat ganz ruhig und bald privatim vermieten; denn ihr bekommt in Jahren noch keinen Geistlichen." „Das wollen wir doch sehen!', bekam er zur Antwort Peter Gierlich rief als Vorsitzender den Kirchenbauausschuss zusammen, und man beschloss, nach Köln zu fahren durch 500 Mark aus einer Haus Bürget-Stiftung, 900 Mark von der Mutterpfarrei Benrath, gemäß einer Anordnung aus Köln und 150 Mark aus Zinsen von Stiftungsmessen. „Ja, Leute,wenn das so ist," sagte der Weihbischof, „dann macht eine schriftliche Eingabe an das Domkapitel und sorgt dafür, dass ich die Eingabe morgen früh in Händen habe Wir haben morgen Sitzung im Domkapitel, da werde ich dann die Sache vorbringen " Dass der Weihbischof am folgenden Morgen die Eingabe in Händen hatte, dafür sorgten der Vorsitzende des Bauausschusses Peter Gierlich und der Schriftführer August Clemens, Hauptlehrer in Urdenbach Alle Mitglieder des Ausschusses, Peter Gierlich, Jakob Gatzen und Franz Dören, machten sich auf und sprachen bei Weihbischof Dr. Josef Schmitz vor. Sie kannten ihn von seiner langjährigen Tätigkeit als Kaplan in St. Andreas in Düsseldorf während der Zeit des Kulturkampfes Der Weihbischof empfing sie, und sie trugen ihm ihr Anliegen vor „Ja, Leute, das geht nicht so einfach, denn wovon soll der Mann leben?" Die drei Urdenbacher, so erzählt Josef Elsen weiter, wiesen stolz darauf hin, dass ein Pastorat schlüsselfertig bereitstehe und ein jährliches Einkommen von 1.500 Mark vorhanden sei, finanziert Der Erfolg blieb nicht aus, nach einigen Tagen stellte sich der zukünftige Pfarrer Peter Jäger in Urdenbach vor. Die oben erwähnte Haus-Bürgel-Stiftung war „ein seit Jahrhunderten bestehendes Vermächtnis des ehemaligen Besitzers von Gut 'Haus Bürget'." Die Stiftung sollte katholische kirchliche Bestrebungen in Baumberg, Monheim und Urdenbach unterstutzen. Robert Weber, Sohn von Karl Weber, Hauptlehrer in Urdenbach, als Jurist in Düsseldorf bei der Landesbank der Rheinprovinz tätig, war auf diese Stiftung gestoßen. Die Stiftung war nicht hoch, doch durch die „Jahrhunderte" war sie inzwischen durch Zinsen und

 


12-Hahnenschrei Nr.62 Ostern 1997.txt  FEHLT WEIL UNLESERLICH !!!!


 

satz, eine Holzbildhauerarbeit, ein Geschenk der Gräfin Merode-Westerloo, wie die schon 1894 gestiftete Mensa. Der Altaraufsatz trug das Wappen der Familie Merode-Westerloo. Der Urdenbacher Kirchenchor „Cäcilia" wurde 1898 gegründet. Der nächste Schritt zur Selbständigkeit erfolgte dann im Jahr 1902. Es fand die Verleihung des Rechts statt, einen eigenen Kirchenvorstand wählen zu dürfen, Grundlage für den vermögensrechtlichen Aufbau der Gemeinde Urdenbach. Dass man sich auch schon um die Anschaffung einer Orgel bemühte, zeigt eine uns vorliegende Eintrittskarte für ein Konzert am 1. Mai 1904, das der Urdenbacher Kirchenchor „Cäcilia" gemeinsam mit der Rheinischen Liedertafel Benrath im Saal Mevissen zugunsten einer Orgel für die katholische Kirche in Urdenbach veranstaltete. Am 8. November 1904 legte Rektor Jäger sein Pfarrexamen ab, und am 1. Oktober 1906 wurde die „Kapellen-gemeinde Urdenbach" zur selbständigen Pfarre erhoben Gefeiert wurde am 28. Oktober im Haus Büchel (ehemaliger Saal an der Straße am Alten Rhein).

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.63 Erntedank 1997 :

Am 28. Oktober 1906 fand in Haus Büchel die Feier zur Erhebung der Kapellengemeinde Urdenbach zur selbständigen Pfarre und zur Einführung des ersten Pfarrers Peter Jäger statt. Zu dieser Feier liegt uns das Festprogramm vor. Es wurde geredet und gesungen. Neben dem Kirchenchor „Cäcilia Urdenbach" wird mehrmals das gemeinschaftliche Lied genannt. Die Urdenbacher sangen schon damals gern. Hinter den Gemeinschaftsliedern verbergen sich auf allseits bekannte Melodien gedichtete Texte, passend zum Fest- z. B. 1. Lied: auf die Melodie „Strömt herbei, ihr Völkerscharen" dichtete man „Der Katholiken schönster Dreiklang", gemeint sind Papst, Kardinal und Kaiser. Das 2. Lied brachte auf die Melodie der heutigen Nationalhymne ein Hoch auf die Pfarre Urdenbach aus. Nr. 3 war ein Lied auf das Urdenbacher Kirchlein, Nr. 4 auf den „besten Pfarrer" und Nr. 5 auf die Melodie „Es steht ein Wirtshaus an der Lahn" der „Lebenslauf eines Sonntagskindes", gemeint ist Pfarrer Jäger. In den nun folgenden Jahren stand der Ausbau der kleinen Kirche an. Durch die industrielle Entwicklung in Benrath und Reisholz wurde Urdenbach zum Wohngebiet für Industriearbeiter, d. h die Bevölkerungszahl stieg an, und die Kirche wurde zu klein. Josef Elsen berichtet in seinen Erinnerungen: „Unser Pfarrer war eine gerade und kernige Natur mit grundehrlichen Ansichten und daher ein Gegner vom Borgen Da Geld zum Weiterbauen die Pfarre nicht besaß, konnte der Pfarrer sich nur schwer zu einem Ausbau entschließen, aber die Verhältnisse wurden stärker als sein Grundsatz: „Erst Geld haben, dann bauen"; und auf Drängen der Pfarrkinder und des Kirchenvorstandes wurde der Ausbau (westliche Schiffshälfte und Turm) beschlossen." Über den Gang der Planung liegen uns einige Schriftstücke vor, die uns Einblick in die Problematik vermitteln. Aus den Unterlagen läßt sich Folgendes rekonstruieren:
Am 3. März 1909 stellte Pfarrer Peter Jäger in Köln den Antrag, eine Kollekte abhalten zu dürfen, um den Ausbau der Kirche finanzieren zu können. Er begründete die Notwendigkeit des Ausbaus mit dem Anwachsen der Gemeinde von 1200 Katholiken auf 2200. Er erwähnte, daß allein die 400 Kinder die Hälfte der Kirche füllten. Außerdem betonte er, daß die Westwand aus Fachwerk baufällig sei und eine Reparatur erhebliche Aufwendungen erfordere. Diese Gelder könnte man in die Kosten für den Ausbau einbringen. Pastor Jäger wies daraufhin, daß die Gemeinde keine eigenen Mittel habe, sogar noch die Tilgung der Hypothek für den Bau der vorhandenen Teilkirche bis 1939 anstehe. Es gebe nur eine Spende von 5.000 Mark, und eine 30.000,- Mark Hypothek könne aufgenommen werden. Die Genehmigung der Kollekte erfolgte am 9 März 1909. Am 27. Januar 1910 stellte der Kirchenvorstand in Köln den Antrag auf Erweiterung der Kirche. Das Generalvikariat erteilte am 14. Februar 1910 die Genehmigung, doch mit der Auflage, den Turm um zwei Etagen niedriger zu bauen, die Giebel steiler zu stellen und die Helmspitze des Turmes parallel zu den Giebeln zu gestalten Ob gegen diese Auflage Widerspruch erhoben wurde, kann nicht aus den Unterlagen erschlossen werden. Der uns vorliegende Aufriß der Kirche stammt aus dem Jahr 1911 und zeigt die heutige Form der Kirche mit hohem Turm und vierseitiger Spitze, also eine andere, als Köln in der vorliegenden Genehmigung verlangte. Der Kirchenvorstand versuchte, weitere Geldquellen zu erschließen. Am 10. April 1910 formulierte er an die königliche Regierung der Rheinprovinz die Bitte, eine Hauskollekte im Gebiet dieser Provinz abhalten zu dürfen Hier argumentierte man wie im Antrag an Köln mit der Armut der Gemeinde und dem Anwachsen der Gläubigenzahl in Urdenbach. Die Genehmigung erfolgte am 4. März 1911: Im Regierungsbezirk Düsseldorf durfte im Jahr 1912 eine Hauskollekte bei Katholiken durchgeführt werden. Es liegt sogar ein Aufruf des Bischofs von Münster vor, zu dessen Bereich Teile des Regierungsbezirks gehörten, mit der Bitte, die Kollekte durch einen Aufruf von der Kanzel zu unterstützen. Der Regierungspräsident machte die Auflage, Sammellisten in Tinte geschrieben zu erstellen und bis zum März 1913 Ergebnis und Verwendung der Kollektengelder dem Präsidenten mitzuteilen. Am 15. November 1910 hatte der Kirchenvorstand bei der Landesbank eine 30.000,- Mark Hypothek aufgenommen. Nun konnte der Ausbau beginnen.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.64 Weihnachten 1997 :

Geld für die Erweiterung der Kirche war also zusammen Am 24 Mai 1911 erteilte die politische Gemeinde Benrath, zu der seit 1908 Urdenbach gehörte, die Genehmigung zum Baubeginn. Uns liegen kaum Informationen über den Verlauf der Arbeiten vor. Nur Hauptlehrer August Clemens berichtet in seinen Tagebuchaufzeichnungen, daß es am 13 November 1911 einen Unfall gab. Der Zimmermann Hansen stürzte von einem Seitenschiff. Welche Folgen der Absturz hatte, wird nicht erwähnt. Am 17. Januar 1912 war der Rohbau vollendet, ein Baum wurde auf dem Turm angebracht und im Lokal Winter Richtfest gefeiert. Hauptlehrer Clemens erwähnt, daß der Kirchenvorstand nicht informiert wurde. So nahm er nicht an der Feier teil. Der Hahn wurde am 23 Januar auf die Turmspitze gesetzt. Zur Konsekration kam Weihbischof Dr. Müller am 23. November 1914 nach Urdenbach. Außerdem firmte er 412 Kinder. Eine Urkunde zur Konsekration liegt uns vor. In ihr werden auch die in den Altären eingeschossenen Reliquien benannt. Die Kirche erhielt schon 1912, dank einer Spende ihre Glocken. Josef Eisen berichtet in seinen Erinnerungen, die er 1944 erstellte, von Heinrich Hanny, einem edlen Stifter „.. ein hochbetagter Rentner, dessen Haushalt zwei Urdenbacher Jungfrauen (Marianne und Elisabeth Rottmann) führten Der Mann war sehr fromm, diente mit 85 Jahren noch täglich die Heilige Messe in St. Andreas Er war ein kinderloser Witwer. Als er von dem ersten Bauabschnitt der Kirche in Urdenbach 1893 hörte, stiftete er für die Kirche die noch heute einzige Monstranz und 6 kupferne Altarkerzenleuchter für zusammen über 2000 Mark. Beim Ausbau der Kirche 1912 spendete er für Glokengeläute und Turmuhr 11.000 Mark. Er hatte in Korschenbroich bei Neuss ein schönes Glockengeläute gehört und darauf gleich den Fräulein Rottmanns gesagt, ein solches Geläute wolle er Gott zur Ehre auch der Urdenbacher Kirche schenken als Dank für die ihm seitens der beiden in Jahrzehnte langer Zeit geleisteten treuen Dienste. Eine größere Freude hätte er den Frauen nicht machen können, hingen diese doch immer an ihrem trauten Geburtsort Urdenbach. Als die Glocken hier 1912 eingeweiht wurden, waren die beiden Jungfrauen hier zugegen, Herr Hanny hörte wohl aus Himmelshöhen dem Erstgeläute zu." Im Krieg greift der Staat oft nach den Glocken. So wurde das Urdenbacher Geläut, wie Josef Eisen berichtet, im letzten Kriegsjahr 1918 beschlagnahmt. Doch Urdenbach hatte Glück, der Krieg ging zu Ende, ohne daß die Glocken eingeschmolzen wurden. Die Gemeinde erhielt sie zurück. Im 2. Weltkrieg hatte Urdenbach nicht so viel Glück. Die Glocken wurden beschlagnahmt, ausgebaut und abtransportiert. Nur die kleinste (Ave) Glocke blieb der Pfarre. Sie steht heute auf einer der Stufen zum Altarraum und dient in der Heiligen Messe als Wandlungsglocke. Josef Eisen berichtet über den Verlust der Glocken: „Vor dem Ausbau der Glocken wurden sie noch einmal gemeinsam geläutet und dabei das Spiel auf Platten aufgenommen, um auch später nochmal hören zu können, wie herrlich ihr Läuten geklungen hat. Gebe Gott, daß wir nach dem Kriege wieder ein gleiches Geläute mit derselben harmonischen Klangfülle erhalten". Interessant wäre, ob die Platten mit dem Geläut der Kirchenglocken noch existieren. Wer kann uns helfen? Wer weiß etwas über den Verbleib ?

 

Joseph Müller
durch Gottes und des Apostolischen Stuhles Gnade
Titularbischof pp. von Köln
allen Lesern dieses Briefes
Heil im Herrn.
Wir geben bekannt und bezeugen, daß wir heute in der Gemeinde Ur-
denbach die Kirche und den Hochaltar zu Ehren des Heil. Herzens Jesu,
den Altar auf der Evangelienseite - errichtet zu Ehren der Seligen Jungfrau Ma-
ria - und den Altar auf der Epistelseite - errichtet zu ehren des Hl. Antonius von
Padua geweiht und in diese Altäre eingeschlossen haben die Reliquien der
Heiligen Märtyrer Paulinus und aus der Gesellschaft des Heil. Gereon, ebenso
aus der Gesellschaft der Heil. Jungfrau Ursula....
In deren Glauben haben wir diesen Brief - unterzeichnet mit unserer
Hand und mit unserem Siegel gesichert - geschrieben.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.65 Ostern 1998 :

Zwei Primizfeiern in Urdenbach, freudige Ereignisse in den nächsten zwei Jahren: Zwei Urdenbacher werden zu Priestern geweiht:
am 17. Mai 1998 Axel Bödefeld am 17. Juni 1999 Dr. Reiner Nieswandt. Sie werden jeweils am darauf folgenden Sonntag in ihrer Heimatgemeinde Primiz feiern und den Primizsegen erteilen.
Dies sind Ereignisse, die bisher in unserer Gemeinde selten waren. Bei Nachforschungen kam Folgendes zutage:
Die erste Primiz wurde in Urdenbach am 24. Februar 1935 gefeiert. Johannes Heisterkamp war am 22. Februar im Dom zu Köln zum Priester geweiht worden. In einer feierlichen Prozession holte die Gemeinde den Neupriester zu Hause ab, und an der Seite von Pfarrer Robach zog er in die Kirche ein.

Die Lebensdaten von Pastor Heisterkamp
27.04.1909 geboren in Benrath
22.02.1935 Priesterweihe in Köln
1935-1936 Kaplan an Schloß Brauna/Sa
1936-1940 Kaplan an St. Dreifaltigkeit Düsseldorf
1940-1945 Kriegspfarrer
1045-1949 russische Kriegsgefangenschaft
1950-1953 Krankenhausseelsorger in Köln-Nippes
1953-1960 Rektoratspfarrer in Geislar
1960-1973 Pastor in Meckenheim
1973-1978 Pastor in Fritzdorf
Am 16. November 1978 verstarb er im Marienhospital in Bonn.

 

1952 wurde Hermann Josef Herkenrath - er hatte einen Teil seiner Jugend in Urdenbach verbracht, war hier 1934 zur Erstkommunion gegangen, hatte sich einige Jahre in der Meßdienerarbeit engagiert - in Köln zum
Priester geweiht. Doch da seine Familie nach Benrath gezogen war, feierte er dort seine Primiz.
Msgr Dr. Hermann Josef Herkenrath war nach Wahrnehmung vielseitiger Aufgaben zuletzt bis vor wenigen Monaten Pfarrer in St. Ursula in Köln und Professor für Pastoralliturgik am Priesterseminar.
Die zweite Primizfeier fand also erst 1955 statt. Karl Spickenagel wurde am 24. Februar in Köln zum Priester geweiht. Am Sonntag, dem 6. März 1955, feierte er Primiz in Urdenbach. Wieder durfte Dechant Robach einen Primizianten zu Hause abholen und zur Kirche geleiten.
„Die Morgensonne ließ die festlich geschmückte Urdenbacher Dorfstraße im freundlichsten Licht erstrahen, als der junge Priester von der Kirche zum katholischen Vereinshaus geleitet wurde, um dort die Glückwünsche in Empfang
zu nehmen, die ebenso herzlich wie zahlreich waren" berichtet die Zeitung.
Die Lebensdaten von Pastor Spickenagel
12 05.1929 geboren in Urdenbach
24 02.1955 Priesterweihe in Köln
Kaplan in Köln-Ehrenfeld
Kaplan in Berg.-Gladbach
1965-1986 Pastor in St. Remigius, Wuppertal-Sonnborn
Am 7. November 1986 verstarb er.

 

Im Jahre 1957 gab es noch einmal einen Primizsegen in unserer Kirche. Familie Otto war einige Jahre zuvor nach Urdenbach gezogen. Der Sohn Arnold studierte Theologie und wurde am 27.02 1957 in Köln zum Priester geweiht. Seine Primiz feierte er an Maria Rosenkranzkönigin in Langenfeld-Wiescheid, in der Gemeinde, in der er sich seit seiner Jugend engagiert
hatte. Doch Dechant Robach bat ihn, auch die Urdenbacher am Primizsegen teilhaben zu lassen. So erteilte der Neupriester Arnold Otto eine Woche nach seiner Primiz in Langenfeld
in Urdenbach noch einmal den Primizsegen. Seit 1962 ist Monsignore Arnold Otto Schulpfarrer an der Ursulinenschule in Hersel und Hauspfarrer des Klosters. Früher war er auch Studienrat für Religionslehre, Pädagogik und Geschichte an diesem Gymnasium. Außerdem ist er Subsidiar in Hersel und Widdich.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.66 Weihnachten 1998 :

Zur Erinnerung
Im Jahre 1912 erhielt die Kirche dank einer Spende ihre ersten vier Glocken. Aber schon 1918, im letzten Jahr des 1. Weltkrieges, wurde das Urdenbacher Geläut beschlagnahmt, doch das Ende des Krieges kam schneller als das Einschmelzen der Glocken Sie blieben der Gemeinde erhalten. Während des 2. Weltkrieges wurde das Geläut zum zweitenmal beschlagnahmt. Drei Glocken wurden ausgebaut und abtransportiert Nur die kleinste blieb in Urdenbach. Zur Messe konnte nun nicht mehr geläutet werden. So entschloss man sich 1949, als der Pfarrei eine Glocke aus Rhöndorf an geboten wurde, das Geld für die Glocke zusammenzutragen und es dem damaligen Urdenbacher Pfarrer Joseph Robach am 6. März zum 40-jährigen Priesterjubiläum zu schenken. Die Vereine und die Jugend brachten 2.500,-- DM auf. Im Herbst des selben Jahres gab es dann eine frohe Kunde Zwei der im Kriege abgelieferten Glocken existierten noch. Im Herbst konnten sie aus Hettstett nach Urdenbach geholt werden. „Zurückgekommen ist die große und die kleine Glocke. Über das Schicksal der mittleren war nichts zu erfahren. Leider paßt der Klang der neuen Rhöndorfer Glocke nicht recht in das Geläute, so daß wir in absehbarer Zeit versuchen müssen, sie gegen eine andere umzutauschen", so der Visitationsbericht von 1950. 1960 greift der Kirchenvorstand ein Angebot eines Urdenbacher Pfarrmitglieds auf, die Beschaffung neuer Kirchenglocken zu unterstützen. Herr Brinkschulte versprach die kostenlose Beschaffung des Metalls für drei Glocken. Am 25. Oktober 1960 fuhr der gesamte Kirchenvorstand zum Glockenguß nach Gescher in die Firma Petit & Edelbrock. Am 10.12.1960 holte die Firma Han??en die festlich geschmückten Glocken aus Gescher, und am 1.12.1960, dem Sonntag Gaudete, weihte Dechant Lüttgenau aus Holtausen das Geläut, nun aus fünf Glocken bestehend, aus zwei alten und drei neuen.

Letztere tragen die Inschriften
PRO MUNDI VITA
Papst Pius X geweiht;
NOS CUM PROLE PIA BENEDICAT VIRGO
Maria, der Muttergottes geweiht;
VOX CLAMANTIS IN DESERTO
Johannes dem Täufer geweiht.

Gleichzeitig hatte der Kirchenvorstand die Elektrifizierung des Geläuts vorgenommen. Weihnachten 1960 erklang zum ersten Mal das Festgeläut der fünf Glocken.

Ingrid Schaefer

 

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Aus dem Hahnenschrei Nr.67 Ostern 1999 :

1912 war der Ausbau der Kirche vollendet. Die Konsekration durch Weihbischof Dr. Müller fand aber erst am 23. November 1914 statt. Zwischenzeitlich hatte sich in Europa die Lage beträchtlich verändert: Am 1. August 1914 begann der 1. Weltkrieg. Im März 1915 wurde Urdenbach Garnison und der Schießplatz am Alten Rhein vom Militär in Benutzung genommen. Erste interessante Berichte über das kirchliche Leben liegen wieder für das letzte Kriegsjahr vor. Vor diesem Einschnitt kaufte am 15. Juni 1914 die katholische Kirche noch von der evangelischen Gemeinde das Gelände („das Loch") vor der Herz-Jesu Kirche, um einen Vorplatz gestalten zu können. Wie zuversichtlich man damals noch war, dass der Krieg schnell beendet sei, zeigt der Hinweis von Lehrer Clemens in seinen Aufzeichnungen:
Man schloss einen Vertrag über den Bau einer Abzweigung von der elektrischen Straßenbahn Düsseldorf-Benrath nach Urdenbach mit eventueller Weiterführung nach Baumberg. Über die Zeit des 1. Weltkrieges liegen uns nur wenige Hinweise über das Leben in der Pfarrgemeinde vor. Lehrer Clemens macht einige Bemerkungen zu weltlichen Angelegenheiten:
Schon 1914 gab es Auswirkungen des Krieges auf Urdenbach; zuerst waren es vor allem Einberufungen von jungen Männern. Aber es gab auch schon die Errichtung von Lazaretten im Arbeiterheim und in der Turnhalle, und die ersten Verwundeten wurden eingeliefert. Am 20.09.1914 fand die erste Beerdigung eines Gefallenen auf dem Urdenbacher Friedhof statt. Am 24. März 1918 gründete Pastor Jäger in Urdenbach die „Jungfrauen-Congregation". Am 30. Mai 1918 wurde er zum Dechanten des Dekanats Düsseldorf II ernannt, und am 17. Juni 1918 leistete er seinen Eid in Köln. Eigentlich stand am 15. August 1918 ein Fest an: das 25-jährige Priesterjubiläum von Dechant Jäger. Doch wegen des anhaltenden Krieges konnte nur sehr begrenzt gefeiert werden. Gegen Ende des Jahres 1918 gab es in Deutschland enorme politische Umwälzungen. Sie hatten auch auf das Leben in Urdenbach ihre Wirkungen. Am 9. November 1918 dankte der Kaiser ab, und Gustav Scheidemann rief in Berlin die Republik aus. Arbeiter- und Soldatenräte versuchten, die Macht zu übernehmen. Am 11. November wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Es folgten für Urdenbach Durchmärsche oder Einquartierungen ausländischer Truppen, Engländer, Frnzosen, Belgier. Außerdem fanden Demonstrationen statt. So berichtet Lehrer Clemens von einem Zug der Kommunisten von Urdenbach nach Benrath Auf schulischem Gebiet gab es eine auch für die Kirche wichtige Veränderung Am 16. Oktober 1919 endete die Ortsschulinspektion, die von Dechant Jäger in Urdenbach ausgeübt wurde, es entstand die weltliche Schule. So wurden am B. Juni 1920 die Lehrer auf die Verfassung der Weimarer Republik vereidigt. Die monarchischen Hoheitszeichen mußten beseitigt werden. Lehrer Clemens berichtet vom Eindringen kommunistischer Gruppen in die Klassenräume. Sie behaupteten, die Abnahme der Bilder kontrollieren zu müssen. Zwei Jahre nach Ende des Krieges konnte die Gemeinde in Urdenbach dann feiern: Am B. August 1920 beging Dechant Jäger sein 25-jähriges Ortsjubiläum. Das Katholische Sonntagsblatt vom 15. August 1920 berichtet über die „Jubelfeier". „Zu einer erhebenden Kundgebung katholischer Glaubensfreudigkeit und treuer Anhänglichkeit an die Kirche und den Seelsorger gestaltete sich das Silberjubiläum der Kirchgemeinde und ihres ersten Seelsorgers und Pfarrers, des hochw Dechanten Peter Jäger am vergangenen Sonntag Im festlichen Zuge wurde der Jubilar vom Pfarrhause zur Kirche geleitet Unter Assistenz der beiden Nachbarpfarrer hielt er ein feierliches Hochamt für die Gemeinde, mit der er 25 Jahre Leid und Freud geteilt, der Kirchenchor verschönte den Gottesdienst durch seine musterhaft vorgetragenen Gesänge, und Herr Pater Beatus aus dem Franziskanerorden gab in der Festpredigt den Gefühlen des Hirten und seiner Herde beredten Ausdruck. Nach der feierlichen Komplet, bei der die ganze Schönheit des Gotteshauses und des kirchlichen Gesanges, sowie die Pracht der Gewänder sich entfalten konnte, versammelten sich die Pfarreingesessenen abends zu einer schönen Feier im Haus Bürgel. Außerdem befindet sich in den Unterlagen die Niederschrift der Ansprache, die Lehrer Clemens als Vertreter des Kirchenvorstands hielt.
Seine Darlegungen enden nicht mit dem Jahr 1920, sie brechen mit dem Jahr 1912 ab. Darunter ist notiert: „Streichungen zum Schluß ".
Was bedeutet das? Wer weiß mehr ?

 

Benrather Tageblatt, 17 August 1918

Zum 25jährigen Priesterjubiläum des Dechanten Herrn Peter Jäger, kath. Pfarrer in Urdenbach
„Im Nachfolgenden folgt die Festordnung für den morgigen Sonntag Mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit findet nur eine kirchliche Feier mit anschließender Gratulation statt. Die Gläubigen werden gebeten, in der Frühmesse zu Ehren des Hochw. Herrn Jubilars recht zahlreich zur hl. Kommunion zu gehen Das feierliche Hochamt mit anschließender Festpredigt beginnt um 10 Uhr. Weißgekleidete Mädchen, die Geistlichkeit mit den Chorknaben, der Kirchenvorstand und die kirchliche Gemeindevertretung geleiten den Hochw. Herrn Jubilar zur Kirche. Die kirchlichen Vereine bilden vom Pfarrhause bis zum Hauptportal der Kirche Spalier. Beim Einzug in das Gotteshaus nehmen die weißgekleideten Mädchen und die Fahnenträger der Vereine ihre Plätze vor der Kommunionbank ein. Nach dem Hochamt bewegt sich der Zug in der gleichen Weise zum Pfarrhause zurück. Hier versammeln sich dann die Vorsitzenden und zwei Mitglieder der kirchlichen Korporationen, der Lehrerschaft und der kirchl Vereine zur Gratulation und zur feierlichen Überreichng der in der Gemeinde gesammelten Ehrengabe. Nachmittags um 5 Uhr ist Fest-Komplet. Die Pfarrangehörigen werden gebeten, ihre Häuser zu flaggen."

Ingrid Schaefer

 

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