ABC

Textausgabe

Josef Eisen berichtet dazu eine heitere Episode :

«Der Kirchenbauunternehmer Schlüter richtete ein Schreiben an jedes Mitglied des Bauausschusses des Inhalts, daß jedes Mitglied für die Kirchenbaukosten solidarisch hafte und er dementsprechend gegen jedes der Mitglieder vorgehen würde, wenn er nicht in kürzester Zeit Geld bekomme. Ungeladen sammelten sich die solidarischen Schuldner sofort beim Vorsitzenden Gierlich und den Notschweiß auf der Stirne, wollten sie wissen, was da zu machen wäre und was das Wort solidarisch zu bedeuten hätte. Vorsitzender und Schriftführer bewahrten die Ruhe, schwitzten auch nicht. Der Vorsitzende steckte sich das Mützchen (Tonpfeife) an, lächelte etwas und meinte: Na bei mir könne se blos min Schmiedfeuerche kriege, mie han ech nit und dat es nit der Mühe weet."
Der Anton sagt: Ewwer mine Hans (Arbeitsochse) könne se merhole", die Weber meinten: Masching, Harnisch, Kett, Enschlag an de fedige Waar höt dem Koofmann, ech han blos de 4 Pöß, 3 Kettebööm an et Spolrad, alles nur Brennholz für ne Käufer an für mech muß dat halde, dat min Frau an Kenger
am Käue bliewe." Der Schriftführer meinte lächelnd: „Solidarisch heißt: Alle für Einen und Einer für Alle". „Ech han 1.050 Mark Jahreseinkommen, an die han ech drengend nüdig für zu lewe, an wahrhaftig nit zu fett". Die anderen Kleinhausbesitzer bangten um ihr sauer erworbenes Eigentum und wollten gleich verkaufen.
Vorsitzender und Schriftführer klärten nun auf, daß der Schreckschuß des Unternehmers nichts zu bedeuten habe, die Fragen müßten im Benehmen mit der Landesbank wegen Hypothek und mit dem Benrather Kirchenvorstand geregelt werden. Die Mitglieder möchten in Ruhe wieder nach Hause gehen, es würde ihnen kein Haar gekrümmt, auch kein Schmiedfeuerche, kein Hans und kein Webstuhl gepfändet bzw. verkauft.»

Urdenbach, den 8 Oktober 1893 Pauli, Pfr u. Definitor
Jeden Montag hielt der Benrather Pfarrer Pauli eine Hl. Messe in der Urdenbacher Kirche, doch sonntags mußten die Katholiken weiter nach Benrath. So berichtet Josef Elsen von manchem Knurren: „Jetzt ham mer es Kerch un mösse doch noch no Benroth jonn." Doch dieser Zustand sollte 6 Mo-
nate später schon vorbei sein, denn am 25. März 1895 fand die feierliche Einführung des ersten Urdenbacher Geistlichen, Peter Jäger, als Rektor von Urdenbach statt.
Ingrid Schaefer