Das Innere der Kirche heute :

Betritt man das Innere der Kirche, überraschen die Größe und die einladende Atmosphäre des Raumes. Viele haben das Empfinden: Hier kann jeder sich niederlassen und beten, still, für sich allein mit Gott. Hier kann man aber auch als große Gemeinde festliche Gottesdienste miteinander feiern.
Vom Hauptportal gelangt der Besucher zunächst in eine Turmkapelle mit einer kleinen Konche, in der früher der Taufbrunnen stand, umgeben von einem schönen, geschmiedeten Rundgitter, das bei der ersten Renovierung entfernt wurde und heute einen Urdenbacher Hauseingang ziert. Jetzt ist dort eine Pietà aus Kiefernholz ausgestellt, nach dem Vorbild einer Pietà des bayerischen Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther aus der Zeit um 1764 geschnitzt. Die Figur wurde der Pfarrgemeinde 1982 geschenkt. Die Turmkapelle, vom Hauptschiff durch ein Gitter getrennt, ist den ganzen Tag geöffnet. Hier kann sich jeder seine Not und sein Leid vom Herzen beten.
Der nächste Schritt führt zum früheren Taufbrunnen unter der Orgelempore, der heute als Weihwasserbecken dient. Von hier fällt nun der Blick auf den Chorraum, der bestimmt wird vom Altar, vom Tabernakel, vom Kreuz und den drei wiedergeöffneten Chorfenstern. Der den Chorraum sprengende Altar besteht aus einen Stippes und aus einer schweren Platte aus jugoslawischem Naturstein (1966, Fa. A. Wessel, Düsseldorf). Geplant ist eine Neugestaltung unter Verwendung des vorhandenen Altars, der allerdings verkleinert werden soll. Auf dem Altar steht als Altarkreuz ein altes Primizkreuz des Pfarrers Jäger, mit der Gravierung auf der Rückseite: "Dem Hochw. Herrn P. Jäger zur Primiz gew. v. Bürger Eikens". Aus dem Elfenbeinkorpus und der Bergkristallplatte des früheren Hängekreuzes wurde in Anlehnung an das Vortragskreuz in der Abtei Hagia Maria Zion, Jerusalem, ein  Vortragekreuz geschaffen, das neben dem Altar seinen Platz gefunden hat. Das Kreuz an der alten Stelle versperrte den Blick auf die neuen Chorfenster, und, bedingt durch die hohe Aufhängung, war der wunderschöne, handgeschnitzte Elfenbeinkorpus kaum sichtbar. Das Hängekreuz war der Pfarrgemeinde von zwei Urdenbacher Familien bei der ersten Renovierung gestiftet worden.

Aus Anlass des 100-jährigen Weihejubiläums der HERZ JESU Kirche in URDENBACH am 23. November 2014 wurde ein neues Vortragekreuz geschaffen und zeigt den Gekreuzigten als Arbeit in Bronzeguss von Bildhauer Heinrich-Gerhard Bücker. Die Kreuzesbalken aus mehr als 2000 Jahre alter Mooreiche wurden von dessen Sohn Matthias Bücker–de Silva und seiner Tochter Lara-Maria im Atelier am Domhof in Beckum-Vellern kostbar gefasst.
Mit Ausnahme des Rosettenfensters im Kirchturm sind alle Fenster der Kirche von dem Kölner Künstler Dieter Hartmann entworfen und von dem Kölner Firma Melchior hergestellt worden (1980/81). Die Seitenschiff-Fenster und die Fenster in der Turmkapelle wurden abstrakt gehalten. Die Motive erinnern daran, dass in Urdenbach früher noch Ackerbau betrieben wurde und dass es einen Flößerhafen gab. Angedeutet sind Baumstämme und Baumschnitte, Blüten und Ähren. Die Chorraumfenster sind thematisch gefasst. Der Gesamtchorraum erzählt vom gemeinsamen Mahl mit Christus am Altar, auf dem das Opfer Christi gefeiert wird, der bei uns ist als der Gekreuzigte (Kreuz) und Auferstandene (Mittelfenster; Begegnung mit dem Apostel Thomas; Herz-Jesu-Fenster) und der uns auffordert zu Werken der geistigen (rechtes Fenster; Gleichnis vom barmherzigen Vater) und leiblichen Barmherzigkeit (links Fenster: Gleichnis vom barmherzigen Samariter).
Die Standleuchter im Chorraum schuf der Osterrather Künstler Wilhelm Hable (1978). Tabernakel und Ambo kommen genauso wie das frühere Hängekreuz aus der Werkstatt des Künstlers Albert Sous (1966, Würselen). Der Tabernakel befand sich ursprünglich am heutigen Platz der Wandlungsglocke, später an der Stelle des heutigen Taufbrunnens und wurde bei der zweiten Renovierung in den Chorraum versetzt. Es existiert ein Entwurf von Pater Laurentius Englisch OFM, diesen Tabernakel stärker zu gewichten. Der Entwurf erhöht den Tabernakel durch einen Pelikan als Symbol der Heilstaten Christi, wobei das Ewige Licht einfügt ist; zudem soll der Fuß des Tabernakels erweitert werden.
An den Stufen des Chorraums steht als Wandlungsglocke, die ursprünglich Angelusglocke mit der Inschrift: Ave Maria gratia plena ora nobis (1912, Fa. Otto, Hemelingen). Diese Glocke fand man ohne Klöppel bei der zweiten Renovierung in einem toten Winkel des Glockenstuhls. Sie war bei der Neuanschaffung von drei Glocken beiseite gehängt worden.
Im rechten Seitenschiff findet sich vor der Sakristeitür eine Quarderwand aus Kordeler Sandstein. Sie zeigt eine gekrönte Madonna mit dem auf ihrem Schoss thronenden Christus, eingerahmt von neuen wunderschönen Medaillons mit Themen aus dem Leben Mariens. Geschaffen wurde das Werk 1969 von dem Kölner Künstler Werner Franzen. Vor dem Marienbild steht ein Kerzenleuchter aus der Hand des Urdenbacher Künstlers Julius Wimmer aus dem Jahre 1975.
Im linken Seitenschiff entdeckt man die neue Taufbrunnen-Anlage von Bert Gerresheim (1987, Düsseldorf). Der Künstler sollte folgende Vorgaben verdeutlichen: die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Jesus als Jude im Alter von ca. 30 Jahren und die Gegenwart der ganzen Christenheit bei jeder Taufe – werden wir doch hineingetauft in das Gesamt der Kirche. Und so entstand diese herrliche Taufbrunnen-Anlage: Ein „junger“ Christus, ohne Kreuzesbalken, sich über die Menschen neigend, in der Phase zwischen Tod und Auferstehung, veranschaulicht durch die gemarterten Hände und Füße, die Seitenwunde und die Sprengung der Seile, die das Leichentuch zusammenhalten.
Rechts unten auf dem Boden liegen Steine, Nägel und Dornenkrone. Letztere findet sich als Spiegelbild in Form eines silbernen Lorbeerkranzes als Siegeszeichen, eingelassen in den Boden, wieder. Die Kreuzesinschrift ist in Hebräisch, Griechisch und Latein, nach einer mittelalterlichen Tradition insgesamt von rechts nach links geschrieben. Den Taufbrunnen beschreibt der Künstler in einer Werkstattnotiz so:

„Das Taufbecken in der Pfarrkirche Herz-Jesu Urdenbach zeigt auf dem Rund seiner Beckenwandung vier Ereignisbilder in Hochrelief, deren fortlaufende Bilderzählung Geschehnisse der Apostelgeschichte vergegenwärtig:
1. Petrus – Predigt der Taufe (Apg. 2,37 ff)
2. Die Taufe des Hauptmanns Kornelius durch Petrus (Apg. 10,23 ff)
3. Die Bekehrung des Saulus (Apg. 9,1 ff)
4. Die Taufe des Saulus durch Ananias (Apg. 9,10 ff)
In der Gesamtgestaltung des Taufbeckens wird versucht, die das Taufgeschehen und seine Liturgie bestimmte Grundstruktur in Bildern zu veranschaulichen. So erzählt die Figurenfolge von Verkündigung und Erfahrung der Glaubensbotschaft als Verheißung und Frage an den Menschen, von Umkehr und Wandlung seines Lebens, vom Bekenntnis der Betroffenen und vom Taufakt selbst. Auf den ersten Blick: Ereignisse aus der Geschichte des Wirkens der Apostel und ihrer ersten Gemeinden; auf den zweiten Blick aber verbinden sich diese Ereignisbilder mit der Bildform der Sacra Conversazione, einer Bildform, die einer wesentlich und zeichenhaften Gestalt (hier Petrus, Saulus-Paulus, Ananias) weitere Personen aus verschiedenen Zeitepochen hinzugestellt und sie in einem „neuen“ Ereignisraum über die Zeit hinweg ins Gespräch bringt. Hinter der ursprünglichen Bilderzählung öffnet sich eine zweite Bedeutungsschicht – der wörtliche Bildsinn wird durch den allegorischen vertieft: die Getauften, die „Heiligen“ in der Geschichte der Kirche, im gemeinsamen Gespräch über die Zeiten hinweg.
So finden sich um Petrus, der die Taufe predigt, Gestalten der Kirchengeschichte, in deren Glaubensleben die Predigt, die Verkündigung und die Umkehr von prägender Bedeutung geworden sind. Links von Petrus: Petrus Canisius, der Große Katechet und „Apostel“ Deutschlands; Savonarola, der florentinische Bußprediger und Reformer; der Pfarrer von Ars, der Helfer und Beichtprediger der Armen; Carl Klinkhammer, der „rote Ruhrkaplan“ und Priester im Widerstand; rechts von Petrus: Pater Leppich, der Großstadtprediger; Bernhardin von Siena, der Prediger der Armut im Geist des Franz von Assisi; Carl Sonnenschein, der Weltstadtapostel Berlins; Rupert Mayer, der Apostel Münchens.
Im Bild der Taufe des Kornelius finden sich um Petrus und Kornelius Gestalten versammelt, die spät auf ihrer Lebensbahn den Anruf der Umkehr erfuhren. Links von Petrus: Angela von Foligno, die spät bekehrte Visionärin und tatkräftige Frau; Pater Foucauld, der einsame Wüstenpriester; rechts von Petrus: Schwester Benedikta vom Kreuz, Edith Stein und ihre Schwester Rosa.
Im Umkreis der Darstellung der Bekehrung des Saulus finden sich charismatische Gestalten, deren existentielle Betroffenheit in einer persönlichen Gotteserfahrung das sie Verbindende ist. Links von Saulus (Paulus): die spanische Visionärin Teresa von Avila; der Mystiker Johannes vom Kreuz; der stigmatisierte Padre Pio von S. Giovanni Rotondo; rechts von Paulus(Paulus): Franz von Assisi, der Patron Italiens; Caterina von Siena, die politische Frau, die in der Kirche nicht schwieg; Philipp Neri, der heilige Stadtstreicher Roms, der ekstatische Narr in Christo und Freund der Kleinen.
Auf dem Relief bleibt die himmlische Erscheinung ausgespart, so dass eine räumliche Leere entsteht, die wie ein Einbruch in die menschliche Welt. Doch die große Christusfigur an der gegenüberliegenden Wand ist auf diese Leerstelle bezogen. Sie stellt die Vision des Paulus dar.
Bei der Darstellung der Taufe des Saulus-Paulus durch Ananias assistieren unter anderen Gestalten die Urbilder eines Lebens der Buße, Umkehr und Wandlung. Links von Ananias: die Büßerin Maria Magdalena und rechts: Johannes der Täufer in der Porträtfigur des Nikolaus von Flüe.
So wird in der Figurenerzählung der Taufbeckenwandung ein vielfältiges Bild vom Leben (in) der Kirche vergegenwärtigt: das Bild einer Kirche als Künderin der Glaubensbotschaft in ihrer Funktion als öffentliches Lehramt wie Kirche als charismatische Gemeinde – im Gesamtblick auf die Abfolge der dargestellten Personen und Ereignisse: das Bild einer Weltkirche.
Die vier das Becken tragenden Sockelfiguren auf dem Rund der durch Fischleiber und Wasserwirbel strukturierten Bodenplatte sind auf ihrer Stirn mit der TAU, dem Zeichen der Rettung besiegelt und werden so zu Figuren der Wandlung, Wiederverkörperung und Auferstehung. Das in den Bildern des Taufbeckens Angesprochene und Aufgezeigte scheint in der Bekrönung des Beckendeckels noch einmal zum Zeichen verdichtet: auf dem Fischernetz die Taufmuschel (die, versilbert, in gleicher Form im Beckeninnern zu finden ist), beschriftet mit der Taufformel in lateinischer Sprache und besiegelt mit dem eichen TAU“.
In der Taufkapelle steht in der Regel der Osterleuchter von Egino Weinert (1979, Köln) mit Bildern der Hl. Schrift (von unten nach oben: Wurzel Jesse, Mariä Verkündigung, Geburt Jesu, Abendmahl, Kreuzigung Jesu, Auferweckung, Erscheinung, Pfingsten) und die große Bilderbibel „Bilder des Heils“ von H.G. Bücker.

Beim Rundgang durch die Kirche begegnet man auch einem Kreuzweg, der eigens für diese Kirche von Pater Laurentius Englisch OFM, Vossenak, 1984 geschaffen wurde. Bei der zweiten Renovierung der Kirche entdecke man unter dem Verputz zwölf Nischen, die 1937 zugemauert worden waren und von denen kaum einer noch etwas wusste. Auf jeden Fall wollte man in die Nischen wieder Kreuzwegfiguren stellen- aber wie? Die Nischen lagen sehr hoch, oberhalb der Fenstersimse. Drei Künstler wurden um Modelle gebeten: Man entschied sich für die Entwürfe von Pater Laurentius, weil sie als Ergebnis jahrelanger Meditation in sehr eindringlicher Weise das Geschehen darstellten. Als Material wurde ganz bewusst Ton gewählt, um sich dem warmen Grundton der Kirche anzupassen. Eine Station wurde vom Künstler farbig gefasst (Pietà) weil Maria auch die Kirche symbolisiert. Ein Meditationsheft zum Kreuzweg findet sich am Schriftenstand bzw. Pfarrbüro.
Jede Kirche wird bei ihrer Konsekration an zwölf Punkten gesalbt in Erinnerung an die zwölf Apostel als Fundament der Kirche. So ist das auch in Urdenbach: zwölf Kerzen erinnern an die Salbungspunkte; hinzugefügt wurden aber 1981 zwölf Einlassungen, die deutlich machen sollen, dass die Wurzel der Kirche im Alten Testament liegen, im Neuen Testament die Fundamente gelegt wurden und sie bis heute auf den unterschiedlichsten Pfeilern ruht. So befinden sich zwei Steine vom Sinai links vom Totenbuch; es folgten Steine aus neutestamentlicher Zeit in Erinnerung an die dort geschehenen Heilsereignisse: Kapharnaum, Bethanien, Ölberg und Amwas-Emmaus; rechts vom Chorraum Hinweise auf die sich entfaltende Kirche: Domitilla-Katakombe; St. Petrus-Dom in Köln aus dem Bereich des karolingischen Domes, Mutterkirche aller Kirchen im Erzbistum; Abtei St. Matthias mit einem römischen Ziegel; Korinth, eng verbunden mit Paulus; Grabeskirche des hl. Franziskus, wohin die Gemeinde gepilgert war; Altarstein von Idutywa, der südafrikanischen Partnergemeinde. Beteiligt an der Suche dieser Erinnerungssteine war die ganze Gemeinde, die aufgefordert worden war, diese von ihren Reisen und Wallfahrten mitzubringen.
Das Totenbuch der Pfarrgemeinde, das deutlich machen soll, dass die Toten ihren Platz in der Gemeinde haben, findet sich unter der Orgelempore links, ein Werk des Urdenbacher Künstlers Julius Wimmer (1987). Die Darstellung zeigt den Lebensweg eines jeden Menschen: Tief verwurzelt in der Schöpfung entwickelt sich menschliches Leben, das teilweise recht dornig sein kann. Der schwerste Einschnitt ist der Tod (Totenbuch), aber der Weg des Menschen endet nicht im Tod, sondern in der Auferweckung. Hier erfährt er die Fülle des Lebens durch den, der selber auferweckt wurde (Kerzen, Entfaltung eines Blütenkelchs mit dem Auferstandenen).
Zwischen Gitter und Totenbuch steht als Votivgabe der Siedlergemeinschaft eine kleine Plastik des hl. Florian, die Nachbildung der Brunnenfigur in der Schlossparksiedlung.
Die Orgel wurde im Jahre 1986 von der Firma E. Hammer, Hemmingen-Arnum mit der Prospektplanung durch den Architekten Dipl.-Ing. W. Dahmen, gebaut. Hauptwerk, Rückpositiv und Pedalwerk haben 24 Register mit 1527 Pfeifen. Die größte Pfeife steht in der Posaune 16‘ mit 5,30 m Länge, die kleinste in der Quinte 1 1/3‘ mit 12 mm Tonlänge und 3 mm Durchmesser. Die Gehäuse-Einzelwerke sind aus massiver finnischer Kiefer, der Spieltisch aus massiver Esche mit einem Grundriss von 195 x 45 cm. Das Gesamtgewicht der Orgel samt freistehendem Spieltisch beträgt 7,5 t. Die Spieltraktur ist mechanisch, das Regierwerk hat eine elektronische Steuerung mit Hilfe von speziellen Magneten und eine 64-fach Setzerkombination im Speicher mit Sprintplatten.
Nur von der Orgelempore kann man das schöne Rosettenfenster betrachten. Im Mittelpunkt befindet sich St. Cäcilia, umgeben von musizierenden Engeln. Das Fenster entwarf 1949 der Künstler E.O. Köpke, ausgeführt wurde es von der Fa. F. Gassen, beide Düsseldorf.
In der Sakristei hängt ein Kreuz, dessen Korpus aus Kastanienholz 1977 als Nachschnitzung bei Giovanni Comploj, San Christina, Grödnertal, erworben wurde. Die Kreuzbalken aber stammen von dem Originaldachstuhl eines Urdenbacher Hauses (Urdenbacher Dorfstr. 45), das 1301 errichtet wurde.
Das Geläute im Kirchenturm weist fünf Glocken auf - zwei noch von 1912 (Fa. Otto, Hemedingen) und drei von 1960 (Fa. Petit & Edelbrock, Gescher); letztere tragen die Inschriften: pro mundi vita (Papst Pius X. geweiht), nos cum prole pia benedicat virgo Maria (der Muttergottes geweiht), vox clamantis in deserto (Johanes dem Täufer geweiht).